Selbstbild, Fremdbild, Frauenbild…

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Ich stehe vor dem Spiegel und traue mich kaum hinzusehen.
Zu frustrierend ist der Vergleich mit all den Bildern, die durch meinen Kopf schwirren.

Da sind Hochglanzschönheiten diverser Magazine mit ihren schlanken Handgelenken und den endlos langen Beinen.

Hier schwingt seidig glänzende Haarpracht elegant um schmale Schultern, dort schimmern makellose Brüste  unter hauchzarten Chiffonkleidern.

Überall strahlen mir blendend weiße Zähne entgegen, klimpern endlos lange Wimpern, schürzen sich volle, rote lippglossgeschwängerte Lippen und erblicke ich kilometerweit glatte, faltenfreie und jugendlich straffe Haut.

Da rekelt sich die eine in perfekt sitzende Spitzenwäsche gekleidete Lady lasziv in seidigen Laken, während eine andere in makelloses weiß gekleidete Dame gerade voller Begeisterung und mit beneidenswerter Leichtigkeit, bar jeder Anstrengung mit einem ebenso makellosen Wischmopp durch ihre Küche tänzelt.

Dort drüben rockt die gesixpackte Grazie ohne jede Anstrengung mal eben so einen Liegestütz nach dem andern, während sie zauberhaft lächelt und der geneigte Betrachter weder Anstrengung noch Schweißentwicklung auch nur erahnen könnte.

Ja.
Und hier stehe ich.
Kein Funke Hochglanzschimmer, nix makellos, von wegen faltenfrei!
Was sich in meinen Augen spiegelt ist fern von lasziv und weit weg von Begeisterung.
Es ist eher der Zweifel und eine Träne, die darin schimmert.

Und ich höre Stimmen in meinem Kopf, die leise flüstern:
„Du bist nicht …schön, schlank, sexy, fit, jung, feminin, attraktiv …genug!“
Dann werde  ich traurig und ich beginne mich zu schämen,
denn wer wird mich schon so lieben können?

Ich schließe meine Augen und werde still.
Und dann höre ich es plötzlich.
Mitten in diese Stille hinein spricht eine leise Stimme ein entschlossenes:
„Ich!“

Die Stimme kommt aus meinem Allerinnersten und zärtlich legt sie sich um all die verletzenden und zweifelnden andern Gedanken und sie flutet sie mit Liebe.
Und all die schmerzenden Bilder zerplatzen, wie es Seifenblasen tun, die nichts anderes sind als schöner Schein.

„Ich liebe dich, denn du und ich wir sind eins!
Niemand kann uns verletzen, wenn wir es nicht zulassen.
Ich stehe zu dir, zu deinen Pfunden, zu deinen Rundungen,  zu deinen Falten, zu deinen Schwächen, zu deinen Stärken, zu all deinen Eigenschaften.

Sie machen dich besonders. Sie machen dich einzigartig auf der Welt.
Sie machen dich zu der, die du bist!
Du bist mehr als Zahlen, du bist mehr als eine Oberfläche, du bist mehr als Äußerlichkeiten!
Du brauchst in kein Schema zu passen. Du bist ein Unikat.
Du bist schön, so wie du bist!“

Und ich entschließe mich, der Stimme zu glauben,
ich öffne die Augen und ich lächle
und mein Spiegelbild lächelt zurück.

© Elke Storath 2018

Danke und bis zum nächsten Mal!

Ahoi und
regenbogenbunte Grüße,
Elke Storath